„Editorial" zu GMB
Neues wagen
Die Fachzeitschrift "Getreide, Mehl und Brot" erscheint ab 2026 nur noch digital. Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung begründet den Schritt mit den neuen Kommunikationstechnologien und verspricht verbesserte Recherchierbarkeit durch Schlagworte.
Als am 15. Februar 1946 – also vor mittlerweile 80 Jahren – die Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung e.V. gegründet wurde, war von den Gründungsvätern – es waren damals in der Tat nur Männer – als wichtigster Zweck der neuen Vereinigung festgelegt worden, dass sie das Wissen um das Getreide und dessen Verarbeitung mehren und der Vermittlung dieses Wissens zwischen Wissenschaft und Praxis und umgekehrt dienen solle.
Das geschieht bekanntermaßen bis heute in hohem Maße auf der Basis von Vortragsveranstaltungen. Aber schon 1947 wurde als weiteres Medium das Fachorgan „Getreide, Mehl und Brot“ etabliert, damals die erste einschlägige Fachzeitschrift in den vier Besatzungszonen. In der gegebenen Zeit natürlich – denn andere Möglichkeiten gab es nicht – in gedruckter Form und damals hätten sich die Verantwortlichen wohl kaum vorstellen können, welche fundamentalen Änderungen sich inzwischen auch in den Kommunikationstechnologien ergeben haben. Und: Papier ist zunehmend out; IT-Technologien beherrschen die Informationsvermittlungen. Deshalb hatte, wie in der letzten noch papiernen Ausgabe des vergangenen Jahres mitgeteilt, der Vorstand der AGF beschlossen, dass auch die „Getreide, Mehl und Brot” sich den neuen Erfordernissen anpassen und ab dem Jahr 2026 nur noch online erscheinen soll.
Ich gebe zu, meinem Alter entsprechend war mir zunächst nicht ganz wohl bei diesem Gedanken. Zu sehr ist einem doch ein Leben lang das Arbeiten mit Büchern und Zeitschriften aus Papier in Fleisch und Blut übergegangen. Allerdings kenne ich seit einigen Jahren Fachjournale, die den Schritt zur Digitalisierung schon eine Weile gegangen sind, und ich habe mich sehr daran gewöhnt, mich interessierende Beiträge darin online zu recherchieren.
So wie ich sie hatte, sind mir in Gesprächen in den vergangenen Monaten eine Reihe von Vorbehalten, Zweifeln und auch die Skepsis begegnet, ob denn die neue GMB auch wirklich in ihrem Wesen als wissenschaftliche Fachzeitschrift erhalten bleiben soll, also mit fundierten zitierfähigen wissenschaftlichen Beiträgen, mit Recherchierbarkeit usw. Genau dieses ist der ausdrückliche Wunsch der AGF-Verantwortlichen. Nur erscheint die Zeitung ab jetzt nur noch in elektronischer Form. Und Verbesserungen sind angedacht: So sollen in Zukunft alle Artikel beispielsweise mit Schlagworten versehen werden, auch nachträglich die alten noch, sodass die eben angesprochene Recherchierbarkeit zu bestimmten Themen deutlich erleichtert, vielleicht sogar erst ermöglicht wird. Gerne nehme ich/nimmt die AGF aber Anregungen und Hinweise entgegen, was besser gemacht werden kann.
Weil, wie gesagt, die GMB in ihrem inhaltlichen Wesen bestehen bleiben wird, nun also der entsprechende Hinweis auf die ersten Beiträge in der neuen Form: Der erste handelt von der Problematik Trifluoressigsäure: Dinah Schick, Peter Köhler, Bärbel Kniel und Maximilian Köhler stellen „Untersuchungen zu Vorkommen von Trifluoressigsäure (TFA) in Weizen und Weizenmehlen“ vor. TFA ist ein Vertreter aus der Gruppe der Per- und Perfluoralkylsubstanzen (PFAS), die von Umweltrelevanz sind und über deren Vorkommen in Getreide und aus diesen hergestellten Produkten bisher wenig bekannt ist. Die Autorinnen und Autoren liefern nun dazu auf der Basis von Weizengetreide aus konventionellem und biologischem Anbau sowie Weizenmehl aus konventioneller Produktionsweise fundierte Ergebnisse.
Dinkel erfreut sich in Deutschland und anderswo zunehmender Beliebtheit. Allerdings gibt es bei den Dinkelsorten bisher keine Qualitätsbeschreibungen bzw -klassifizierung wie beim Brotweizen, obwohl sich die Dinkelsorten sehr in den Qualitätseigenschaften unterscheiden. Friedrich Longin hat umfangreiche Untersuchungen vorgenommen, die im Beitrag „Beschreibung von Qualitätseigenschaften bei Dinkel in Abhängigkeit von der Sorte und der Anbauform“ dargestellt werden.
Des Weiteren möchte ich Sie auf Tagungsberichte, Nachrichten und Neuerungen aus Betrieben und Forschung sowie auf Pressemitteilungen und Buchneuerscheinungen hinweisen, in der Hoffnung, dass diese Inhalte auch nunmehr nur noch in elektronischer Form Ihre Aufmerksamkeit erlangen.
Es wünscht viel Spaß beim Lesen und Bewerten
Ihr
Meinolf G. Lindhauer


