„Unser täglich Brot”: Live-Podcast mit Prof. Longin
In der Altenrieter Brennstube stand Prof. Dr. Friedrich Longin von der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim in einem Live-Podcast zahlreichen Interessierten Rede und Antwort zu Landwirtschaft, Klimawandel, Getreideforschung – und letztlich auch zur Frage, wie wir uns künftig ernähren wollen.
Prof. Dr. Longin zu Gast beim Live-Podcast „Dorfgeflüster".
© Roland Schneider
Der Legende nach ist in Altenriet die Brezel entstanden beim Streit zweier Kinder. Und so wird seit mehr als 400 Jahren dort der Brezelmarkt als traditionelles Heimatfest zur Huldigung der Brezel gefeiert.
Eingeladen zum Live-Podcast der Reihe „Dorfgeflüster“ hatte das Bürgerforum Altenriet in die kleine Brennstube im Gässle, die bis auf den letzten Platz gefüllt war, um den Altenrieter Weizenforscher live zu erleben. Unter der Überschrift „Unser täglich Brot“ entwickelte sich ein offenes, lebendiges Gespräch über Weizen, Ernährung und die Zukunft der Landwirtschaft – verständlich erklärt, aber mit wissenschaftlicher Tiefe.
Dabei wurde deutlich, dass moderne Weizenforschung weit mehr umfasst als nur „mehr Ertrag“. Ziel sei vielmehr, mit weniger Pflanzenschutzmitteln stabile Ernten, höhere Nährwerte und robustere Sorten zu ermöglichen. Gerade angesichts des Klimawandels werde die Entwicklung widerstandsfähiger Pflanzen immer wichtiger.
Für viele Besucher überraschend: Deutschland gehört zwar zu den größten Weizenproduzenten Europas und ist bei Getreide nahezu Selbstversorger, gleichzeitig exportiert das Land hochwertigen Qualitätsweizen und importiert günstigeren Weizen aus anderen Regionen. Auch der biologische Anbau wurde differenziert betrachtet. „Bio“ bedeute nicht automatisch besser, erläuterte Longin unter anderem mit Blick auf deutlich geringere Erträge, reduzierte Backqualität und nicht unbedingt bessere Nährstoffqualität.
Besonders intensiv diskutiert wurde das Thema Vollkorn. Nach Angaben des Forschers werden in Deutschland nur rund 11% der Brote tatsächlich als Vollkornbrot verkauft – obwohl Vollkorn ernährungsphysiologisch klar im Vorteil sei. Ein Grund dafür liege im Konsumverhalten vieler Menschen: Helle Brote würden bevorzugt, da sie milder schmecken und optisch vertrauter wirken. Genau dort setzt aktuelle Forschung an. Longin schildert, wie inzwischen sogenannte „weiße Vollkornweizen“ entwickelt werden, die heller aussehen und geschmacklich näher an klassischem Weißbrot liegen, gleichzeitig aber die ernährungsphysiologischen Vorteile des Vollkorns behalten. Entscheidend sei letztlich, ob Verbraucher solche Produkte annehmen. „Es bringt nichts, wenn etwas gesund ist, aber niemand es essen möchte“, lautete sinngemäß eine der zentralen Aussagen des Abends.
Passend zum Thema blieb es nicht bei Theorie allein. Während des Podcasts wurden unterschiedliche Brotsorten verkostet – vom Dinkelvollkornbrot bis zu frisch gebackenen Vollkornstangen aus weißem Weizen. Dazu servierte das Bürgerforum verschiedene hausgemachte Brotaufstriche. Die Brennerei Armbruster übernahm die Bewirtung.
Den Podcast findet man bei Spotify unter https://open.spotify.com/episode/6VHqvwTSsrT3hdQx4SV3P6?si=PbTTGp4NQP6ShE2TZhYaww




