Drei von vier Nudeln kommen aus dem Ausland
Teigwaren in Deutschland
Die Deutschen bleiben Nudelfans: Mit 10,1 Kilogramm pro Kopf liegt der Verbrauch weiter auf Rekordniveau. Doch die heimische Produktion verliert weiter an Boden. Rund drei Viertel der in Deutschland verzehrten Teigwaren werden inzwischen importiert, mehr als die Hälfte aus Italien. Dabei verfügt Deutschland über eine bestens funktionierende Wertschöpfungskette vom heimischen Hartweizenanbau über spezialisierte Mühlen bis zu Teigwarenherstellern mit einem hervorragenden Angebot. Diese Wertschöpfungskette zu erhalten, ist auch eine Frage von Versorgungssicherheit und Resilienz.
Der deutsche Teigwarenmarkt bleibt mit 842.765 t auf hohem Niveau. Gleichzeitig ist die heimische Produktion im Wirtschaftsjahr 2025/26 um 4,7% auf 391.500 t zurückgegangen. Die Einfuhren stiegen dagegen um 2,6% auf 628.766 t. Nach Abzug der Exporte stammen damit nur noch rund 25% der in Deutschland verzehrten Teigwaren aus heimischer Produktion. Rund drei von vier Nudeln werden importiert. Italien bleibt mit 456.367 t mit Abstand wichtigstes Lieferland und deckt inzwischen 54,2% des deutschen Marktes ab.
Peter Haarbeck, Geschäftsführer des Verbands der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS: „Die Deutschen essen so viele Nudeln wie nie zuvor, aber die heimische Produktion profitiert davon immer weniger. Nur noch etwa jede vierte Nudel auf unseren Tellern stammt aus deutscher Herstellung. Dabei verfügen wir über eine leistungsfähige Wertschöpfungskette vom Hartweizenanbau über die Mühlen bis zu den Teigwarenherstellern.“
Qualitäts-Hartweizen wächst auch in Deutschland
Deutschland hat sich über die vergangenen Jahre zu einem hervorragenden Anbaugebiet für Qualitäts-Hartweizen entwickelt. Auf 60.400 Hektar wurde zur Ernte 2026 Hartweizen angebaut, rund 16% mehr als im Vorjahr. Und mit 361.400 t wurde so viel Hartweizen geerntet wie noch nie zuvor.
In deutschen Mühlen wurden im Wirtschaftsjahr 2025/26 rund 452.000 t Hartweizen vermahlen. Damit verfügt Deutschland über eine funktionierende Wertschöpfungskette vom Durumanbau über die Vermahlung bis zur Herstellung der fertigen Teigwaren. „Beste Teigwaren werden aus bestem Hartweizen hergestellt – und den erzeugt die deutsche Landwirtschaft. So liefern Landwirtschaft, Hartweizenmühlen und Teigwarenhersteller Nudel-Qualität aus Deutschland, die keinen Vergleich scheut“, sagt Peter Haarbeck.
Versorgungssicherheit beginnt nicht erst in der Krise
Funktionierende Wertschöpfungsketten sind nicht nur eine Frage regionaler Herkunft. Politik und Wirtschaft diskutieren spätestens seit den Covid-Jahren und dem Krieg in Europa darüber, wie Lieferketten resilienter und die Versorgung mit Lebensmitteln auch unter schwierigen Bedingungen gesichert werden kann. Eine schlagkräftige heimische Landwirtschaft und leistungsfähige Verarbeitungsbetriebe sind dafür wichtige Bausteine.
Bei Teigwaren sind diese Strukturen heute vorhanden: Landwirte bauen zunehmend Hartweizen an, spezialisierte Mühlen verarbeiten ihn zu Grieß, heimische Hersteller produzieren daraus ein breites Teigwarensortiment, das allen Verbraucherwünschen gerecht wird, egal ob (Bronze-)Pasta, Spätzle oder Eiernudel. Gleichzeitig geht die deutsche Teigwarenproduktion zurück und der Importanteil steigt. Dabei spielt der Lebensmitteleinzelhandel eine entscheidende Rolle.
Kaufentscheidungen der Verbraucherschaft werden nicht allein durch persönliche Vorlieben bestimmt, sondern durch Preis, Platzierung, Sichtbarkeit und Aktionen. Italienische Pasta wird im deutschen Lebensmitteleinzelhandel regelmäßig als stark preisreduzierte Aktionsware angeboten. Deutsche Produkte sind dagegen deutlich seltener Bestandteil solcher Aktionen, werden vielfach höherpreisig positioniert oder sind in einzelnen Sortimenten kaum vertreten. Mit seiner Sortimentsgestaltung beeinflusst der Handel, welche Produkte den Verbraucher tatsächlich zur Auswahl stehen. Wer heimische Wertschöpfung und resiliente Lieferketten erhalten will, muss deutschen Produkten deshalb auch im Supermarkt eine faire Absatzchance geben.
Peter Haarbeck: „Wir reden zu Recht über Versorgungssicherheit und resiliente Lieferketten. Dazu gehört es, leistungsfähige Strukturen zu erhalten. Wertschöpfungsketten lassen sich nicht wieder einschalten, wenn sie in der Krise gebraucht werden. Teigwaren gehören zu den Grundnahrungsmitteln. Die Wertschöpfungskette Teigwaren zu erhalten, kann nur gelingen, wenn die Produkte im Handel auch sichtbar sind und im Wettbewerb eine Chance bekommen. Resilienz bedeutet Vielfalt bei den Bezugsquellen und den Erhalt eigener Produktionskapazitäten.“
Der Nudelmarkt zeigt, wie aktuell diese Frage ist: Die Nachfrage ist mit 10,1 Kilogramm pro Kopf auf Rekordniveau – doch der Anteil der heimischen Produktion wird immer kleiner.
Die deutsche Nudel ist vielfältiger als ihr Ruf
Hartweizengrieß ist in der deutschen Teigwarenherstellung, genau wie in der italienischen, wichtigster Bestandteil der Rezeptur – unabhängig davon, ob Ei zugesetzt wird oder nicht. Damit greift die Gleichsetzung von deutscher Nudel mit Eiernudel zu kurz. Von den 296.800 t Trockenteigwaren, die 2025/26 in Deutschland hergestellt wurden, entfielen 175.600 t auf Teigwaren ohne Ei und 121.200 t auf Teigwaren mit Ei. Damit werden inzwischen rund 59% der deutschen Trockenteigwaren ohne Ei produziert – alle aber auf Hartweizenbasis. Vor gut 20 Jahren war das Verhältnis nahezu umgekehrt: 2005 stellten deutsche Hersteller 217.228 t Teigwaren mit Ei und lediglich 36.102 t ohne Ei her. Damals waren rund 86% der deutschen Teigwaren Eiernudeln, heute sind es noch rund 41%.
Eierteigwaren bleiben dennoch ein wichtiger Bestandteil der deutschen Nudelkultur. Hinzu kommen Produkte, mit denen deutsche Hersteller eigene Akzente setzen – etwa Teigwaren aus Dinkel. „Die deutsche Nudelwelt ist vielfältiger als viele denken. Eierteigwaren gehören ebenso dazu wie klassische Pasta, Spezialitäten auf Dinkelbasis oder die typisch deutschen Spätzle. Deutsche Hersteller haben ein eigenständiges Sortiment, das mindestens so gut wie die italienische Pasta ist“, so Haarbeck.